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Impuls zum 5. Sonntag im Jahreskreis - 07.02.2021

Impuls zum 5. Sonntag im Jahreskreis - 07.02.2021

von Gemeindereferentin Daniela Bartsch

Lesung: (Ijob 7,1-4.6-7)

Ijob ergriff das Wort und sprach: Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde? Sind nicht seine Tage die eines Tagelöhners? Wie ein Knecht ist er, der nach Schatten lechzt, wie ein Tagelöhner, der auf den Lohn wartet.                                               So wurden Monde voll Enttäuschung mein Erbe, und Nächte voller Mühsal teilte man mir zu. Lege ich mich nieder, sage ich: Wann darf ich aufstehn? Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert. Schneller als das Weberschiffchen eilen meine Tage, der Faden geht aus, sie schwinden dahin. Denk daran, dass mein Leben nur ein Hauch ist. Nie mehr schaut mein Auge Glück.                                                                            

 

Evangelium: (Mk 1,29-39)

In jener Zeit ging Jesus zusammen mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, und sie sorgte für sie.                                                Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt, und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war.                                  In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten. Simon und seine Begleiter eilten ihm nach, und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich. Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.     

 

Die Lesung aus dem Buch Ijob (Hiob) an diesem Sonntag spricht uns wohl allen in diesen Tagen aus der Seele.

Mein Leben ist nur ein Hauch. Ijob, ein Mann des Alten Testamentes, ist von Gott schwer heimgesucht worden. Er versteht nicht, warum Gott ihn so geschlagen hat. Mit Bitterkeit spricht er vom Elend des Menschenlebens und von seinem persönlichen Schicksal: Wie Kriegsdienst und Knechtschaft sind seine Tage, wie ein Windhauch schwinden sie dahin. Diese Erfahrung des Leids und der Vergänglichkeit wird für Ijob zur grundsätzlichen Frage nach dem Sinn des Lebens und damit nach Gott.

Wir befinden uns immer noch mitten in der Corona-Pandemie. Es gibt viele Kranke und Tote, die Zahlen gehen nur ganz allmählich zurück und schon droht eine weitere Gefahr durch Mutationen. Die Lockdown-Maßnahmen zehren an unseren Gemütern und erfordern Geduld und Durchhaltevermögen: wie lange noch? Wirtschaftliche Sorgen und Zukunftsängste machen sich breit. Viele fragen sich wie Ijob nach dem Sinn dieser Pandemie, all diesen Leids. Manch einer mag auch an Gott                           (ver-)zweifeln. Das Alte Testament gibt darauf keine genügende Antwort.               Aber es gibt einen Grund zur Hoffnung.                                                                                     Unser Gesundheitssystem ist Gott sei Dank nicht zusammengebrochen und hoffentlich bleibt das auch so. Mittlerweile gibt es eine Impfung, schleppend zwar, aber doch mit der Aussicht auf ein Ende dieser Pandemie: ein Licht am Ende des Tunnels.

Das Leid kann in dieser Welt nicht weggeschafft werden, es gehört zum Leben.

Dennoch kann der Glaube und das Vertrauen in Gott Halt und Trost geben. Diese Erfahrung, die Ijob am Ende seines Lebens macht, kann auch uns in dieser unsicheren Zeit helfen und Mut machen.

 

 

Das Evangelium des heutigen Tages führt den Gedanken des Trostes und der Aufrichtung mit einem anderen Akzent weiter.

Es ist die Geschichte von der Heilung der Schwiegermutter des Petrus, die uns berührt. Sie wird vom Evangelisten Markus ganz an den Anfang seines Evangeliums gestellt. Vorausgegangen ist das erste öffentliche Auftreten Jesu in Galiläa und sein Wirken in der Synagoge von Kafarnaum. Mit dem Besuch des Hauses von Simon und Andreas betritt Jesus sozusagen privaten Bereich. Die Schwiegermutter des Petrus liegt mit Fieber im Bett. Fieber kann viele Ursachen haben. Etwas von außen ist in die Frau eingedrungen. Das können auch Konflikte oder Kränkungen sein. Wenn zu viel auf uns einstürmt, dann reagiert unser Körper oft mit Fieber. Er signalisiert damit, dass es zu viel ist, was zu verarbeiten ist. Jesus heilt die Frau in drei Schritten:

 

Er geht auf sie zu.

Er fasst sie an der Hand.

Er richtet sie auf.

 

Zuerst geht er auf sie zu. Das ist nicht nur äußerlich gemeint. Er lässt sich auf die kranke Frau ein und nimmt eine Beziehung zu ihr auf.

 

Auch in diesen Tagen erleben wir es, dass sich Menschen liebevoll um andere kümmern, sie besuchen, sie anrufen, ihnen Hilfe anbieten. Das sind Alte oder Kranke, das sind Menschen und Familien, die überfordert sind von den Auswirkungen des Lockdowns.

 

Dann fasst er sie an der Hand. Jesus geht also noch einen Schritt weiter. Das ist Nähe, die heilt. Jesus macht sich dabei selbst verletzlich. Er berührt die Frau und spürt das Fieber mit seinen Händen. Seine Hand beruhigt die Unruhe in ihrer Seele.

 

Viele Angehörige, Pflegekräfte und Ärzte pflegen mit hohem körperlichen und emotionalen Einsatz unermüdlich nicht nur Coronapatienten, sondern all die anderen Kranken und Pflegebedürftigen. Damit setzen sie sich auch dem Risiko der Ansteckung aus. Ihr Impuls ist die selbstlose Bereitschaft zu helfen und zu heilen.

 

Schließlich richtet er sie auf. In der Berührung lassen die innerlichen Auseinandersetzungen nach. In der Berührung lässt Jesus seine Kraft, seinen Geist und seine Liebe in die Frau einströmen. Er teilt ihr etwas mit von der Kraft, dem inneren Frieden und der Quelle, aus der er lebt.

 

Das Dasein für andere in jeglicher Beziehung kann einen schwer kranken und traurigen Menschen auch in diesen Tagen der Corona-Pandemie aufrichten und wieder neuen Mut geben. Im besten Fall Heilung von der Krankheit.

 

Das Wort Aufrichten ist das gleiche Wort, das der Evangelist Markus auch für die Auferstehung verwendet. Jesus weckt die Frau auf, öffnet ihre Augen, dass sie die Wirklichkeit mit neuen Augen sehen kann. Und sie nimmt wieder am Leben teil, sorgt sich sogar selbst um andere.  

 

Wo mich jemand ansieht, Ansehen schenkt, mich anspricht, da werde ich aufgerichtet. Das ist dann ein ganz neues Lebensgefühl. Ich bin Mensch: als Mann, als Frau, als Kind, als Jugendlicher. In meiner Familie, unter Freunden, am Arbeitsplatz oder in Kindergarten und Schule.

 

Und nun berichtet Markus, wie die Leute alle Kranken und Besessenen zu Jesus bringen. Jesus wird zum Therapeuten, zum Heilsbringer für jene, die an sich selbst leiden, die einfach nicht hochkommen. Und schließlich versammelt sich die ganze Stadt vor der Haustür, um dieses Heil zu erfahren.

 

Jesus wird – so wie ein wirksamer Impfstoff – als Heilmittel erlebt, das uns von allen Sorgen und Nöten befreien kann.

 

Jesus wird allerdings auch als derjenige beschrieben, der sich an einen einsamen Ort zurückzieht, um zu beten trotz des großen Andrangs. Denn er ist gekommen, seine Botschaft überall zu verkünden. Hier wird deutlich: Jesus möchte nicht nur die körperlichen Leiden heilen, sondern auch die seelischen. Er will den Menschen verkünden: Das Reicht Gottes ist viel mehr als Gesundheit und Wohlbefinden. Es öffnet unseren Blick für die Ewigkeit.

 

Die Geschichte der Begegnung Jesu mit der Schwiegermutter und ihre Heilung ist eine Hoffnungsgeschichte. Hier drückt sich etwas von der Motivation aus, die Menschen beseelt, sich für andere Menschen einzusetzen, die der Hilfe bedürfen, nicht nur in Corona-Zeiten. Gott ist konkret und in seiner Wirkung durch andere erfahrbar, auch heute.

 

  

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche mit heilsamen Begegnungen!