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Impuls zum 2. Sonntag im Jahreskreis - 17.01.2021

Impuls zum 2. Sonntag im Jahreskreis - 17.01.2021

von Gemeindereferentin Daniela Bartsch

Evangelium: (Joh 1,35-42)

In jener Zeit stand Johannes am Jordan, wo er taufte, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht! Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde.

Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren.

Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte - Christus. Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels - Petrus.

 

 

An diesem Sonntag steht ein Evangelium in der Leseordnung, in dem es ausdrücklich um Begegnung geht.

Wir stehen noch ganz am Anfang eines neuen Jahres, das mit vielen Einschränkungen, Sorgen und Unsicherheiten begonnen hat. Der Lockdown zwingt uns noch mehr als bisher, auf Kontakte und lieb gewonnene Gewohnheiten zu verzichten. Familien müssen den Alltag mit Betreuung und Homeschooling leisten, Alte und Kranke müssen weiterhin besonders geschützt werden. Der Beginn der Impfungen ist ein Hoffnungsschimmer in diesen unsicheren Zeiten, doch es wird noch viel Geduld brauchen. Der Lockdown trifft auch unsere Pfarrei, da wir weiterhin auf Präsenzgottesdienste verzichten. Damit möchten wir die Menschen schützen, aber auch ein Zeichen der Solidarität mit vielen besonders Betroffenen in unserer Gesellschaft setzen. Gleichzeitig haben wir alle den Wunsch, dass wir uns wieder begegnen können, im privaten, familiären und beruflichen Umfeld, natürlich auch in der Kirchengemeinde.

 

Wie am vergangenen Sonntag steht beim Evangelisten Johannes zunächst Johannes der Täufer im Zentrum des Geschehens, der Jünger mit seiner machtvollen Predigt in den Bann zieht. Aber schon bald richtet er den Blick auf Jesus mit dem Ausspruch: „Seht, das Lamm Gottes!“

Erstaunlich ist, dass Jesus sich eher abwartend verhält, nicht von sich aus auf die Jünger zugeht. Die Jünger wiederum nähern sich Jesus hier behutsam und schrittweise an mit der Frage: Wo wohnst du?

Das klingt erstmal banal: Geht es den Jüngern um den Wohnort Jesu oder steckt da etwas anderes dahinter?

 

Die Gestaltung meiner Wohnung, meines privaten Umfeldes sagt viel über mich und meine Persönlichkeit aus. Aber gerade der Besuch zu Hause ist in diesen Tagen ja kaum möglich, da wir weitestgehend auf Kontakte verzichten sollen. Hier im Evangelium geht es also um etwas Anderes.

 

Haben denn die Jünger vielleicht schon eine Ahnung, wer der neue Mann in Wirklichkeit ist? – Sie nennen ihn „Rabbi - Meister“, einen, der etwas von seinem Handwerk versteht. Das Handwerk von Jesus ist das Reden über Gott und seine Botschaft vom Reich Gottes. Und sie wollen etwas von ihm lernen. Doch sie wissen noch nicht so recht, wie sie an ihn herankommen sollen.

Deshalb diese scheue, unverbindliche Frage: „Meister, wo wohnst du?“

Im Grunde haben sie mit dieser Frage schon den Nagel auf den Kopf getroffen.

Und Jesus antwortet mit der Einladung: „Kommt und seht!“

 

Was meint Jesus damit? Jesus wohnt bei den Menschen, bei seinen Freunden. Er wohnt bei den Menschen am Rande der Gesellschaft, bei den Armen und Kranken, die er mit seiner Botschaft aufrichtet und damit eine neue Lebensperspektive eröffnet. Und das ist es ja, was er mit seinem ganzen Leben, mit seiner ganzen Predigt, mit seinem Wirken zeigen will: Gott ist mit uns. Gott wohnt bei uns. Gott wohnt überall da, wo man ihn einlässt.

 

„Kommt und seht!“, so sind auch wir selbst immer wieder eingeladen, mit unseren Fragen, unserem Suchen und unserer Sehnsucht zu Jesus zu kommen.                          

Für uns Christen ist der Gottesdienst ein wichtiger Ort, wo wir mit dieser Sehnsucht zu Gott kommen. Es ist schmerzlich, dass dieser Ort des Gebetes, der Begegnung und der Gemeinschaft zur Zeit nicht so da ist, wie wir uns das wünschen. Aber Gott ist nicht nur an einem konkreten Ort wie dem Kirchraum zu finden.    

Wir selbst sind die Wohnstätte Gottes. Wir sind sein Tempel, wir sind sein Haus. Er wohnt in unseren Gedanken und Entscheidungen, in unserem Tun und in unserer Liebe.

Es geht also vielmehr um die Haltung des „Komm und sieh!“ Vielleicht ist es gerade in dieser Zeit so wichtig, einander mitzuteilen, was mir in dieser Zeit Kraft und Mut macht, was mir neue Hoffnung bringt und neue Wege aufzeigt.

Das kann für jede/n von uns etwas anderes sein: Das Gebet zu Hause, das Anzünden einer Kerze in der offenen Kirche, das Telefongespräch mit einer Nachbarin, von der ich lange nichts gehört habe, das Lesen eines Buches/der Heiligen Schrift, die intensivere Zeit, die ich mit meiner Familie verbringe, das Anbieten von Hilfe im Freundes- und Familienkreis, der Spaziergang auf Abstand mit einem Freund, das Hören von Musik …

 

Stellen wir uns ein paar Fragen, die wir in der Stille überlegen können:

  • „Wenn jemand Gott sucht, eine geistige Beheimatung, bin ich eine Einladung dafür?

z.B. durch meine Anteilnahme an Leid und Freude meiner Mitmenschen.

  • Wenn jemand Gott sucht, eine geistige Beheimatung, bin ich eine Einladung dafür?

z.B. durch meine Art zu leben, sodass sich andere daran orientieren können.

  • Wenn jemand Gott sucht, eine geistige Beheimatung, bin ich eine Einladung dafür?

z.B. um auf die eigene Geborgenheit im Glauben zu verweisen.

  • Wenn jemand sagt: „Wo wohnst du?“ sage ich „Komm und sieh!“?

 

 „Kommt und seht!“ ist eine Einladung und Ermunterung für uns alle, diese Einladung selber auszusprechen auf dem gemeinsamen Weg der Nachfolge Jesu. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute neue Woche!